Warum ich als Nicht-Raucher die Werbegrafiken von Zigarettenmarken toll finde

Auf die Frage wie eine gute Werbegrafik denn aussehen soll,, antworte ich immer mit „Schauen Sie sich die Werbeplakate von Zigarettenmarken an“. Denn Zigarettenmarken machen es genau wie andere große Marken wie z.B Coca Cola. Coca Cola verkauft nie das Produkt direkt, sondern sie versuchen den Durst zu verkaufen. Schauen wir uns mal an wie es die Zigarettenmarken machen.

 

 

 

 

Vive Le Moment lautet die Kampagne von Gauloise.

 

Das Bild zeigt zwei taffe Frauen, Freundinnen, die zusammen gerne albern sind und „ihren Moment genießen“. Genuss ist also hier der das Wort, was im Unterbewusstsein hervorgebracht werden soll. Genuss der Momente mit der besten Freundin, aber auch mit einer Zigarette von Gauloise.

 

 

 

Die Kampagne „Don´t be a Maybe“ von Marlboro.

Wir sehen ein glücklichen Pärchen, welches im freien Himmel gemeinsam die Nähe des Partners (zueinander) genießt. Es scheint kalt zu sein, also wärmen sie sich mit einer Decke auf. Natürlich mit einer einzigen Decke damit es darunter auch schön kuschelig wird. Das es windig ist, wird auch an den Haaren des Mannes klar. Dieses Bild zeigt uns etwas, was jedes Paar kennen müsste, es sei denn man hat keine romantische Seite. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass verliebte Paare solche stillen einsame Momente haben und sich nahe kommen und die gemeinsamen Minuten genießen. Der Höhepunkt ist das nicht der Sex sondern die Zigarette, die man sich (wahrscheinlich) gemeinsam teilt. Hier wird auch ein bestimmter Männer-Typ dargestellt. Wir sehen den rockigen, männlichen jedoch romantische Mann (mit Lederjacke) der seine Partnerin von hinten fest umarmt und trotzdem seine Zigarette genießen kann.

 

 

MORE TO EVERY MOMENT – eine weitere „Moment“ Kampagne, dieses Mal von PALL MALL.

Das Bild zeigt Freundinnen, die im Freien lachen und Spaß haben. Wahrscheinlich erzählen sie sich gegenseitig Männer-Geschichten oder reden über neue Modetrends, denn sie sind alle modisch, schlank, und verkörpern jeweils die „Lifestyle-Frau“. Der Sessel symbolisiert „Entspannung“, und zwar mit einem Magazin und natürlich die Zigarette. Obwohl es warm ist und sie sich im Freien befinden gibt es kein Wasser, was bewusst nicht dargestellt wird, weil es sonst den die allgemein Botschaft stören würde. Eine junge, rauchende Kölnerinn, die dieses Bild sieht, könnte es mit den Momenten am Aachener Weiher assoziieren, wo sie tolle Momente mit ihren „Mädels“ erlebt hat. Da es nicht nur den Damen auf dem Bild warm ist, sondern es auch in der Wirklichkeit warm ist (sonst macht das Bild keinen Sinn) kann es sein, dass die junge Kölnerin, die dieses Bild sieht, auf dem Weg zum Aachener Weiher beim Kiosk anhält, sich was zu Trinken und eine Zigarette kauft. Das Ziel der Werbung wäre erreicht, wenn man sich hier für PALL MALL entscheidet. Auch hier wird wie bei den vorherigen Bildern emotionalisiert. Emotionen, die mit Momenten verknüpft sind, werden hervorgebracht und sollen bei der Entscheidung zu rauchen helfen.

 

Warum mag ich solche Werbeplakate?

Ich gebe es zu, ich stehe auf Content-Marketing. Ich stehe auf Story-Telling und ich stehe auf Botschaften. Insbesondere, wenn ich sie mit einem Blick sehen kann. Als Advertiser stehe ich sehr oft vor der Herausforderung genau das richtige Werbebild für die Werbekampagne auszuwählen. Ich bin davon überzeugt, dass ein Bild eine Kurzgeschichte erzählen kann. Eine Kurzgeschichte, die den Zuschauer emotionalisiert und zu einem Verlangen bringt. Dieses Verlangen kann „Durst nach Cola“, „Hunger nach einem Big Mac“ oder wie hier „Genuss einer Zigarette“ sein. Werbung ist ein Begriff, welches Menschen mit Aufrufen wie „Kaufe dies“ verwechseln, aber Werbung ist erst Werbung, wenn niemand sagt, dass man etwas kaufen soll, sondern wenn es die Stimme im Kopf sagt.

 

Warnung vor Zigaretten:

Ich bin ein Nichtraucher. Ich möchte deutlich klarstellen, dass ich nicht für Tabak oder Rauchen werbe. Rauchen kann tödlich sein.

Autor: Burak Görmez

Social Media Marketing Berater bei der nexum AG in Köln. Dozent an der Hochschule Fresenius. Mitglied beim BVCM und fanatischer Onliner.

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